Damit klingen KI-Texte endlich nach dir: 3 Kontextdateien, die jede KI braucht

Aktualisiert: September 2026 · Lesezeit: ca. 10 Minuten · Autor: Stephan Jorda

Kontextdateien sind kurze Textdokumente, meist im Markdown-Format (Dateiendung .md), in denen du einer KI dauerhaft beschreibst, wer du bist, was du anbietest und wie du schreibst. Für Texte im eigenen Stil reichen drei Dateien: eine Über-mich-Datei, eine Angebotsdatei und eine Tone-of-Voice-Datei. Einmal als Projektwissen in Claude oder ChatGPT hinterlegt, schreibt die KI Newsletter, Posts und Mails in deinem Ton und mit deinen echten Leistungen im Hinterkopf.

Das Problem kennst du wahrscheinlich: Du lässt die KI einen Newsletter schreiben, und heraus kommt ein Text, der auch von jedem anderen Anbieter stammen könnte. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du die drei Dateien per KI-Interview erstellst, wo du sie ablegst, welche Fehler die Ergebnisse verschlechtern und wie du genau dieses Setup auch für Kunden bauen kannst.

Warum klingen KI-Texte ohne Kontext so austauschbar?

Weil die KI dich nicht kennt. Jeder neue Chat startet bei null. Sie weiß nicht, ob du deine Leser duzt, ob du eher knapp oder ausführlich schreibst, welches Angebot du gerade verkaufen willst. Also füllt sie die Lücken mit dem Durchschnitt aller Texte, die sie kennt. Genau so liest sich das Ergebnis dann auch.

Viele versuchen, das im Prompt zu lösen. Ein Satz wie „Schreib locker, professionell und auf Augenhöhe“ steht dann vor jeder Anfrage. Das reicht nicht. „Locker“ bedeutet für jeden etwas anderes, und die KI entscheidet sich im Zweifel für die glatteste Variante.

Kontextdateien drehen das um. Statt in jedem Prompt neu zu erklären, wer du bist, schreibst du es einmal gründlich auf. Die KI liest es bei jeder Anfrage mit.

Im Video zeige ich dir den kompletten Ablauf in Claude, vom ersten Interview-Prompt bis zum fertigen Newsletter: Damit klingen KI-Texte immer nach dir

Welche drei Kontextdateien brauchst du?

Alle drei zusammen ergeben ein vollständiges Bild von dir als Absender. Fehlt eine, merkt man es den Texten an.

DateiWas drinstehtWie oft aktualisierenTypischer Fehler
ueber-mich.mdWer du bist, dein Hintergrund, für wen du arbeitestseltenzu viel Lebenslauf, zu wenig Relevanz für Leser
meine-angebote.mdAngebote, Pakete, Preise, Produkte, dein Einstiegsangebotoft, bei jeder Änderungwird komplett vergessen
tone-of-voice.mdAnrede, Satzlänge, Lieblingswörter, No-Go-Wörter, Emojis, Beispieltexteseltennur drei Adjektive statt echter Regeln

Datei 1: Über mich

Die Über-mich-Datei ist die, an die die meisten zuerst denken. Hier steht, wer du bist und was dich als Absender ausmacht. Damit weiß die KI, aus welcher Perspektive sie schreibt, und kann zum Beispiel eigene Erfahrungen richtig einordnen, statt Allgemeinplätze zu produzieren.

Datei 2: Meine Angebote

Diese Datei sehe ich in der Praxis am seltensten. An Stil und Über-mich denken viele. Ihre Angebote, Paketpreise und Produkte lassen die meisten aber weg. Dabei geht es am Ende darum, dass deine Texte verkaufen.

Nimm den Newsletter als Beispiel. Die KI sollte wissen, was du überhaupt anbietest und wo dein Einstieg ist. Nur dann kann sie am Ende auf das passende Angebot verweisen, statt einen allgemeinen „Melde dich gern“-Satz anzuhängen. In der Angebotsdatei steht deshalb deine komplette Produkttreppe: vom Einstiegsangebot bis zum großen Paket, jeweils mit Preis.

Der Interview-Prompt dafür beginnt sinngemäß so: „Wir erstellen eine zweite Kontextdatei, eine Übersicht über meine Angebote, die eine KI nutzt, um Texte zu schreiben, die auf meine Leistungen einzahlen.“ Danach stellt dir die KI wieder ihre Fragen.

Datei 3: Tone of Voice

Die Tone-of-Voice-Datei lassen die meisten weg, weil sie denken, das ließe sich im Prompt erledigen. Siehe oben: Tut es nicht.

Statt „locker“ beschreibst du hier, was locker bei dir konkret bedeutet. Duzt oder siezt du? Wie lang sind deine Sätze? Welche Wörter benutzt du ständig, welche würdest du nie sagen? Nutzt du Emojis, und wenn ja, wo? All das fragt der Prompt ab.

Das Wichtigste steht aber ganz am Schluss der Datei: deine eigenen Texte. Füge zwei, drei Texte ein, die bei dir schon gut funktioniert haben, und markiere sie als Positivbeispiele. Darin ist KI stark. Sie erkennt Muster in deinen Beispielen und überträgt sie auf neue Texte. Eine Beschreibung deines Stils hilft, ein echtes Beispiel hilft mehr.

Hier der Link zu dem Interview-Prompt

Wie erstellst du die Dateien per KI-Interview?

Du musst die Dateien nicht selbst formulieren. Die KI interviewt dich und schreibt sie anschließend. So gehst du vor:

  1. Neuen Chat öffnen und Modell wählen. In Claude reicht Sonnet für diesen Anwendungsfall. Wenn du vergleichen willst, teste denselben Prompt mit Opus.
  2. Interview-Prompt einfügen und abschicken. Pro Datei ein eigener Chat, damit sich die Themen nicht vermischen.
  3. Fragen so gründlich wie möglich beantworten. Nimm dir 15 bis 20 Minuten pro Datei. Bleibst du zu vage, bohrt die KI nach. Lass das zu, genau dort entsteht die Qualität.
  4. Ergebnis als .md-Datei speichern. Also zum Beispiel ueber-mich.md, meine-angebote.md, tone-of-voice.md.
  5. Für die beiden anderen Dateien wiederholen.

Rechne insgesamt mit etwa einer knappen Stunde. Die lohnt sich, denn du machst das einmal und profitierst bei jedem Text danach.

Wo legst du die Kontextdateien ab: Chat, Projekt oder Skill?

Für den Moment müssen wir der KI (egal ob Claude, ChatGPT oder Gemini) die Kontextdateien noch zur Verfügung stellen. Dafür gibt es in Claude drei Wege:

WegSo funktioniert esVorteilNachteil
Direkt im ChatDateien über das Plus-Symbol anhängensofort startklarmusst du in jedem neuen Chat wiederholen
ProjektProjekt anlegen, Dateien rechts unter Kontext hochladeneinmal einrichten, in jedem Chat im Projekt verfügbarRegeln für einzelne Textformate fehlen noch
Projekt + SkillProjekt als Wissensbasis, Skill für formatbezogene RegelnGrundlage und Feinschliff sauber getrenntetwas mehr Einrichtung

Meine Empfehlung: Starte mit einem Projekt. Ich habe mir zum Beispiel ein Projekt „Newsletter AKIA“ angelegt, kurz beschrieben, worum es geht, und die drei Dateien rechts im Kontextbereich hochgeladen. Dort kannst du auch direkt Anweisungen hinterlegen. In einem weiteren Blogbeitrag und Video werden wir das noch weiter ausbauen.

Danach reicht ein Themenvorschlag im Chat. Es lohnt sich trotzdem, ein bisschen auszuholen und Storytelling mitzugeben. In meinem Beispiel ging es um einen Newsletter zum Thema „KI in Kleinfirmen: So startest du richtig“. Ich habe kurz die Geschichte eines Kunden erzählt, was bei ihm los war, und die KI sollte daraus einen Newsletter in meinem Ton schreiben. Das Ergebnis war schon sehr gut.

Nicht ganz gepasst hat die Länge der Absätze. Und genau hier kommt der Skill ins Spiel: Die Anweisung „Mach bei Newslettern kürzere Absätze“ speichere ich als Skill für Claude ab. Die drei Kontextdateien bleiben die Grundlage, der Skill regelt die Details für ein bestimmtes Format. Wie du Skills erstellst und warum sie so viel bringen, erkläre ich ausführlich im Artikel Claude Skills erklärt.

Wie nutzt du Kontextdateien als Selbstständiger geschäftlich?

Für dein eigenes Marketing ist der Nutzen offensichtlich. Newsletter, LinkedIn-Posts und Angebotsmails klingen nach dir und verweisen auf deine echten Angebote. Der größere Hebel liegt aber woanders.

Die meisten kleinen Firmen, Coaches und Agenturen haben genau das Problem, das dieser Artikel beschreibt: Sie nutzen ChatGPT oder Claude, sind mit den Texten unzufrieden und geben auf. Was ihnen fehlt, ist kein besseres Modell. Es ist der Kontext. Und den für einen Kunden sauber aufzubauen, ist eine Dienstleistung, für die Unternehmen bezahlen.

So kann das aussehen: Du führst mit deinem Kunden die drei Interviews, erstellst daraus die Kontextdateien, richtest ein Projekt ein und baust Skills für seine wichtigsten Textformate. Weil sich Preise und Angebote beim Kunden regelmäßig ändern, ergibt sich daraus fast automatisch ein Pflegeauftrag. Und wer einmal gesehen hat, dass die KI plötzlich nach ihm klingt, fragt meist als Nächstes, was sich noch automatisieren lässt.

Genau solche Setups bauen unsere Teilnehmer in der Ausbildung zum KI- & Automationsberater: nicht als Spielerei, sondern als Leistung, die sie Kunden verkaufen. Wenn du wissen willst, ob das für dich ein zweites Standbein sein kann, buch dir ein kostenloses Beratungsgespräch.

Übrigens: Die drei Dateien sind auch die Grundlage für ein Second Brain, also eine persönliche Wissensbasis, auf die deine KI dauerhaft zugreift. Wie ich das mit genau diesen Dateien aufbaue, zeige ich in einem eigenen Video und Artikel.

Grenzen & typische Fehler

Kontextdateien machen die KI nicht fehlerfrei. Drei Fehler sehe ich immer wieder, und alle drei verschlechtern die Ergebnisse spürbar.

Zu lang. Mehr Text macht die Dateien nicht besser, eher schlechter. Wenn du alles hineinpackst, was dir einfällt, verliert die KI den Blick für das Wesentliche. Faustregel: Jede Zeile sollte eine Frage beantworten, die die KI beim Schreiben sonst falsch raten würde. Was diesen Test nicht besteht, fliegt raus.

Widersprüche. Steht in der einen Datei „Ich bin Generalist und mache alles“ und in der anderen „Ich habe hochspezialisierte Angebote für Branche XY“, sucht sich die KI irgendetwas davon aus. Mal so, mal so. Konsistent wird es dann nicht. Lies die drei Dateien deshalb einmal direkt hintereinander und prüfe, ob sie dasselbe Bild zeichnen.

Keine Updates. Klingt banal, passiert aber ständig. Ändern sich deine Preise oder Produkte, schreibt die KI mit den alten Zahlen weiter. Die Angebotsdatei solltest du deshalb regelmäßig prüfen, vor allem Produkttreppe und Preise. Über-mich und Tone of Voice ändern sich seltener, da reicht ein gelegentlicher Blick.

Und noch eine ehrliche Grenze: Auch mit perfektem Kontext liest du jeden Text gegen. Die KI trifft deinen Ton deutlich besser, aber sie weiß nicht, was diese Woche bei dir oder deinen Kunden passiert ist. Die Story, das aktuelle Beispiel, die Meinung: das kommt weiterhin von dir.

FAQ: Häufige Fragen zu Kontextdateien für KI-Texte

Was ist eine Kontextdatei für KI?

Eine Kontextdatei ist ein kurzes Textdokument, meist im Markdown-Format (.md), in dem du einer KI dauerhaft Informationen über dich gibst: wer du bist, was du anbietest und wie du schreibst. Die KI liest die Datei bei jeder Anfrage mit und muss diese Informationen nicht mehr raten.

Welche Kontextdateien brauche ich für Texte im eigenen Stil?

Drei Dateien reichen: eine Über-mich-Datei mit deinem Hintergrund, eine Angebotsdatei mit Produkten, Paketen und Preisen und eine Tone-of-Voice-Datei mit Anrede, Satzlänge, typischen und verbotenen Wörtern sowie eigenen Beispieltexten.

Welches KI-Modell brauche ich, um die Kontextdateien zu erstellen?

In Claude reicht Sonnet 5 für das Interview und das Erstellen der Dateien. Wer vergleichen möchte, testet denselben Prompt zusätzlich mit Opus 5. Wichtiger als das Modell ist, dass du dir pro Datei 15 bis 20 Minuten für gründliche Antworten nimmst.

Wo lege ich die Kontextdateien am besten ab?

Am besten in einem Projekt, zum Beispiel in Claude. Dort lädst du die Dateien einmal im Kontextbereich hoch, und sie stehen in jedem Chat innerhalb des Projekts zur Verfügung. Regeln für einzelne Formate, etwa kürzere Absätze im Newsletter, speicherst du zusätzlich als Skill.

Wie oft sollte ich meine Kontextdateien aktualisieren?

Die Angebotsdatei bei jeder Änderung an Produkten oder Preisen, also regelmäßig. Die Über-mich-Datei und die Tone-of-Voice-Datei ändern sich seltener und brauchen nur gelegentlich eine Prüfung.

Fazit: Du brauchst kein besseres Modell, damit KI-Texte nach dir klingen, sondern besseren Kontext. Eine Stunde Interview, drei Dateien, ein Projekt: Mehr ist für den Start nicht nötig. Wie das in Claude konkret aussieht, siehst du im Video auf unserem YouTube-Kanal.